Lesen offline

Früher war ich gar nicht begeistert von Büchern. Die unendlich vielen Seiten, die wenigen Bilder hielten mich davon ab. Irgendwie konnte ich mich nicht dazu aufraffen meine ach so «kostbare» Zeit mit Lesen zu verbringen.

Wir kennen es alle, die allgeliebten und bekannten Taschenbücher aus der Schule, deren Kapitel man Woche zu Woche zu Ende lesen musste. Mir hat dieser ständige Druck am Sonntagabend die letzten Zeilen lesen zu müssen, ein falsches Bild vom Bücherlesen gegeben. Die Themen entsprachen meistens auch nicht meinen Interessen und somit hat mich das privat auch nie angesprochen.

Vor knapp einem Jahr kam eine türkische Schriftstellerin aus der Türkei nach Basel, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Meine Mutter und meine Schwester wollten unbedingt zu ihrer Lesung aus ihrem neuen Buch. Ich ging einfach mal mit, wusste aber nicht, was mich erwarten wird.

Es war ein Samstagabend und ich ging zu einer Lesung, bis dahin unvorstellbar. Ich muss gestehen, ich habe vorher etwas recherchiert, wer diese Autorin ist und über was sie schreibt. Kaum angekommen war ich etwas überrascht, so viele Zuhörer hatte ich nicht erwartet.

Die Lesung begann mit einem Vortrag der Autorin, die mich zum Nachdenken brachte. Einerseits ging es darum, dass sicher Zuhörer anwesend sind, die weder sie, noch ihre Geschichte kennen. Und andererseits, dass es bestimmt Leute im Saal gäbe, die kaum lesen oder sich mit Büchern nicht so auskennen.

Wie dem auch sei, sie fing an über ihre eigene Lebensgeschichte zu erzählen. Interessant war zu hören, welche Schwierigkeiten sie als türkische Frau in ihrem Leben hatte. Sie verriet, dass sie streng religiös erzogen wurde und der Tradition der Familie zu folgen hatte.

Danach führte sie fort, dass sie zu dieser Zeit gar nichts über ihre Religion und Kultur wusste, sondern das tun musste was ihre Familie wollte. Also hat sie sich auf den Weg gemacht sich selber zu finden, selber zu entscheiden, was sie tun möchte und was ihr wichtig ist. Sie wurde damals aus diesem Grund von ihrer Familie ausgestossen.

Während ich ihr zuhörte, wurde mir schnell bewusst was für eine intelligente und starke Frau vor mir stand. In der türkischen Kultur ist es nicht üblich, dass eine Frau zu Schreiben anfängt und damit so erfolgreich wird. Ganz alleine. Das hat mich fasziniert und sehr beeindruckt.

Die Art und Weise wie sie ihre Gefühle und ihr Wissen in Worte fasst hat mir so sehr gefallen, dass ich mir an diesem Abend vier Bücher von ihr gekauft habe.

An jenem Abend habe ich festgestellt, wieviel man «aus einem Buch lernen kann». Heute lese ich auch gerne in verschiedenen Sprachen wie auf Englisch, Französisch oder Türkisch. Dann kann ich nebenbei sogar meine Sprachkenntnisse verbessern.

Durch das Lesen konnte ich meinen Wortschatz erweitern, was mich dementsprechend selbstbewusster beim Auftreten gemacht hat. Ebenfalls konnte ich durch ernstere Themen mein Wissen über jegliche Dinge ausbauen und meine Zeit wertvoller nutzen wie früher.

Was ich dir ans Herz lesen äh… legen möchte ist, gehe in eine Bibliothek, schau dir die Bücher an, folge deinen Interessen und ich verspreche dir du wirst genauso begeistert sein wie ich es heute bin, auch wenn das vor einem Jahr nicht so war.

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