Finde die Unterschiede

Für das Jahr 2013 hatte ich leider keine Lehrstelle gefunden. Mit der Angst auch für 2014 keine zu finden, dachte ich über die Sommerferien die ganze Zeit: «Was nun?». Es war schnell Mitte August und alle meine Freunde gingen zur Schule oder hatten eine Lehre angefangen. Ich war zuhause, da ich keine Lehre gefunden und mich für keine weitere Schule angemeldet hatte. Es war nicht so schön alleine Zuhause zu hocken. Deshalb suchte ich mir einen Job, damit ich Erfahrung sammeln und etwas durch den Tag machen konnte. Im September 2013 durfte ich auf einer Baustelle arbeiten, aber nur drei Wochen. Danach hatte ich einen Job in einer Ventilationsspenglerei gefunden. Meine Arbeit in der Spenglerei begann Mitte Oktober und dauerte 7 Monate.

Zuerst dachte ich, in einer Werkstatt zu arbeiten, ist etwas ganz anderes als in einem Büro. Aber schon am ersten Tag fielen mir zwei Ähnlichkeiten auf. Die eine war, ich wurde mit Informationen «vollgestopft» (was bei Arbeitsbeginn normal ist). Die andere war, dass ich in der Werkstatt nach bestimmten Regeln gekleidet sein musste, genau wie im Büro. Zwar musste ich nicht in Hemd und «schicker» Hose erscheinen, aber die Kleiderordnung der Spenglerei schrieb vor, dass ich Stahlkappenschuhe, eine strapazierfähige und reissfeste Hose und ein T-Shirt, welches ruhig dreckig werden durfte, tragen musste.

Aber schnell merkte ich die Unterschiede zwischen der Arbeit in einer Werkstatt und der Arbeit in einem Büro. In der Werkstatt ist es sicherlich körperlich viel anstrengender. Ich musste viele schwere Gegenstände von einer Apparatur zur nächsten tragen, je nach Arbeitsschritt. Das ist im Büro nicht so stark der Fall.

Die ersten Tage hatte ich Kopfschmerzen, weil es in der Werkstatt sehr laut war. Man hörte den ganzen Tag nur die lauten Maschinen. Und die hämmerten in meinem Kopf. Kopfschmerzen hatte ich interessanterweise auch bei Pax zu Beginn, das hing aber mit der ungewohnten langen Arbeit mit dem Computer zusammen.

In der Spenglerei, als auch bei Pax, muss man die Arbeitszeit «stempeln». In der Werkstatt mit einer altmodischen Stempelkarte, bei Pax mit einem elektronischen «Badge» (Zutrittsausweis). Bei den Arbeitszeiten gab es Unterschiede. In der Werkstatt ging es immer Punkt 7:00 Uhr los. Es gab eine halbstündige Pause am Vormittag und eine einstündige Mittagspause, damit die Maschinen nicht überhitzten. Bei Pax hingegen besteht eine gleitende Arbeitszeit mit Blockzeiten (Kernarbeitszeit).

Mit der Zeit merkte ich, dass man auch in einer Werkstatt Computer benötigt. Zum Beispiel der Werkstattleiter. Er erstellt damit die Produktionspläne für die Arbeiter. Jeder Arbeiter bekommt einen Plan, auf dem seine Aufgaben stehen, für welche Firma das Werkstück ist und wann die Stücke fertig sein müssen. Selten brauchte der Werkstattleiter den Computer um Kunden-Bestellungen aufzunehmen, eher zur Materialbeschaffung. Planungen erstelle auch ich bei Pax, mit Aufgaben und Zielen. Jedoch steht am Ende kein Werkstück, sondern eine Dienstleistung.

Eine weitere Ähnlichkeit mit Pax war, dass der Werkstattleiter telefonisch in Kontakt mit Kunden stand. Das passierte, wenn bei einem Stück ein Problem auftauchte, kleine Bestellungen für die Monteure aufgenommen wurden und wenn Stammkunden Kleinigkeiten brauchten. Wir bei Pax stehen auch mit Kunden im Kontakt, telefonisch oder per E-Mail.

Im Winter durfte ich auf der Baustelle mithelfen. Auch draussen auf der Baustelle ging nichts ohne Plan. Ich hatte leider ein bisschen Pech, weil es zu der Zeit sehr kalt und regnerisch war. Dabei war die Kälte das kleinere Problem. Da ist mir der Bürojob bei Pax lieber, da ich immer ein Dach über dem Kopf habe.

Am Ende war ich sehr überrascht, dass es so viele Parallelen zwischen der Arbeit in einer Werkstatt/auf einer Baustelle und der Arbeit in einem Büro gibt. Ohne Planung und Organisation geht einfach gar nichts, egal in welcher Branche, egal ob über den Computer oder übers Telefon.

Jedoch bestehen zwei grosse Unterschiede: Das Arbeiten in einer Werkstatt ist körperlich viel anstrengender und bei Wind und Wetter auf der Baustelle zu arbeiten, kann sehr mühsam sein. Im Büro zu arbeiten fordert eher das Gehirn, ist dafür aber körperlich nicht so anstrengend. Man bleibt schön sauber und ist im Warmen.

Ich bekam also einen guten Einblick in die beiden unterschiedlichen Arbeitswelten. Das sind sehr interessante Erfahrungen, die ich sammelte und täglich kommen bei Pax neue hinzu. Vielleicht habt ihr ja auch einmal die Möglichkeit, in andere Arbeitsbranchen zu schauen. Viel Spass dabei.

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1 Kommentar

  1. Frank Linnenbach

    Das finde ich einen echt spannenden Vergleich. Was auf den ersten Blick so unterschiedlich scheint, ist bei genauerer Betrachtung doch ähnlich. Ich kann Euch aus langer Berufserfahrung sagen, dass diese Ähnlichkeiten in der Arbeitswelt immer wieder auftauchen. Es bestehen also grundlegende Gegebenheiten, die in allen Berufen wichtig sind. Pünktlichkeit, angemessene Kleidung und Selbstorganisation sind da nur ein Teil. Termingerechte Lieferung und Qualitätsbewusstsein sind sicher auch wichtige Punkte unserer täglichen Arbeit. Es freut mich, wenn ihr Lernende so offen durch die Berufswelt schreitet und euch auch Gedanken darüber machen, was alles mit so passiert. Spannendes Thema, weiter so.

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