Blätter am Boden, Buchstaben an der Wand – Teil 2

Im ersten Teil berichtete ich euch, was unter «Kunst am Bau» zu verstehen ist. Ebenso erzählte ich euch, was der Schatten aus Granitstein und die Brotzeit am Boden des Eingangsbereiches zu bedeuten haben. Im heutigen Teil erfahrt ihr, was es mit den Eschenblättern und dem Buchstaben-Bogen auf sich hat.

Ein weiterer Ausschnitt aus einem Text von Claudia Spinelli wird euch auch das näher bringen:

«(…) Ausgangspunkt des symbolisch gefärbten Beitrags von Barbara Maria Meyer und Markus Gadient ist ein Baum, die Esche. Die Esche wird häufig mit dem Lebensbaum assoziiert und kann im Zusammenhang mit einer Lebensversicherungsgesellschaft als eine Anspielung auf deren Grundwerte gelesen werden. Bei ihren Recherchen über die Herkunft der Namensgebung des Aeschenplatzes stiessen die Künstler zudem auf die Person Eschemar, der historischen Quellen gemäss als Hüter des Eschemartors (ehemaliger Standort: Ende Freie Strasse, innere Stadtmauer) gewirkt haben soll.

Als etymologische Wurzel klingt die Esche in seinem Namen an. So schafft der vermutete, historisch aber keineswegs abgesicherte Bezug eine assoziative Verbindung zwischen einer am Bild des Baumes orientierten Symbolik und der Geschichte des Ortes. Das Motiv tritt in verschiedener Form auf. Konkret als die zwei Bäume, die vor dem Gebäude an der Malzgasse angepflanzt wurden, und bildhaft als weisse, in den Steinboden eingelegte Blattintarsien im Durchgangsbereich vor dem Gebäude. Sie wirken wie vom Wind dahingeweht, nehmen das Kommen und Gehen der Passanten, die sich in alle Richtungen bewegen, auf und verweisen auf den städtischen Alltag.

Im Inneren der Eingangshalle stossen wir abermals auf die Eschenblätter. Sie befinden sich diesmal, wie zu einem kleinen Haufen geweht, vor der grossen Wand und bilden gleichsam eine Überleitung zu deren Gestaltung, die von allen vier Kunstschaffenden gemeinsam geplant wurde.

Assoziativer Angelpunkt des dritten Teils der künstlerischen Ausgestaltung (…) ist einmal mehr Eschemar, dessen Person eng mit der Geschichte des Ortes verbunden ist. Sein Name steht in grossen Lettern in die Wand eingekerbt. Die Schrift folgt formal einem Bogenfragment, spielt also auf Stadttor und Stadtmauer an. Als Tiefrelief entwickelt sie zudem einen an den Lichtfall gebundene Wirkung und verdeutlicht eine zeitlich geprägte Dynamik. (…)»

Und nun fragt ihr euch sicher, was dieses Kunstwerk überhaupt bewirken soll, wenn sich schon die Künstler so viele Gedanken zum Ort, zur Geschichte und zu Symbolen machen. Auch hierzu schreibt Claudia Spinelli in ihrem Text: «Die künstlerischen Projekte (…) laden die Passantinnen und Passanten, die Besucherinnen und Benützer des Gebäudes dazu ein, bei ihren täglichen Verrichtungen innezuhalten, sich Geschichten auszudenken und Zusammenhänge zu konstruieren und über den Ort, seine Gegenwart und seine Vergangenheit, nachzudenken.»

Nebenbei erwähnt, das Gebäude von Pax wurde nach fünfjähriger Bauzeit, im Jahr 1997 eingeweiht und bezogen. Der Architekt ist T.O. Nissen von Nissen & Wentzlaff Architekten BSA SIA AG (Basel).

Hier endet meine erste Serie zum Thema «Kunst am (Pax) Bau». Ich hoffe, dass ich euch ein spannendes Kunstprojekt in unserm Gebäude von Pax näher bringen konnte. Und ausserdem: «Haltet die Augen offen, es gibt immer was spannendes zu entdecken.»

 

Den anderen Beitrag der Serie findet Ihr hier:
Blätter am Boden, Buchstaben an der Wand – Teil 1

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